BWLV Junior Tobias Lämmlein Vizeweltmeister im Modellsegelfliegen der Klasse F3J
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Weltmeistertitel für Eiko Hasemann. Die Juniorenmannschaft holt Gold, die Seniorenmannschaft
Silber.

Überaus erfolgreich kehrt die Deutsche Nationalmannschaft des DAeC von den offiziellen FAI
Weltmeisterschaften der Klasse F3J, Thermik Dauerflug, aus Korfu, Griechenland zurück. Mit dem
Gewinn von 5 der insgesamt 12 zu vergebenden Medaillen ist Deutschland derzeit international
die F3J Hochburg. Doch nicht nur die fliegerischen Leistungen sondern auch der sportliche
Teamgeist fand bei den teilnehmenden Mannschaften und Offiziellen bewundernswerte
Anerkennung.

Das Team

Als Teilnehmer hatten sich bei den Senioren der Deutsche Meister und "Soarmaster" Philip Kolb
aus München, der Routenier Stefan Eder aus Herrieden sowie der Europameister Dieter Köhler
aus Hamburg qualifiziert. Die Ausscheidung bei den Jugendlichen gewannen die
Mannschaftsweltmeister von 1998 Eiko Hasemann aus Hamburg und Kai Thomas aus Baiersdorf
sowie der WM-Neuling und deutscher Vizemeister Tobias Lämmlein von der Segelfluggruppe
Markdorf, Abteilung Modellflug.

Anreise und Ankunft

Die Anreise der meisten Teammitglieder erfolgte mit dem Auto und der Fähre über
Brindisi/Italien eine Woche vor Wettbewerbsbeginn. Vor Ort wurde dann gleich Quartier bezogen
und das Wettbewerbsgelände begutachtet. Die freien Tage bis zur Eröffnung wurden intensiv zum
Trainieren genutzt: Das Gelände wurde zu allen Tageszeiten systematisch nach allen Richtungen
abgeflogen, um sich ein Bild von dem Aufwindpotential der Gegend machen zu können.

An den Tagen vor der WM war der Wind mit bis zu 10m/s und mehr sehr stark und die Thermik
intensiv. Die 10 Minuten Flugaufgabe war da weniger das Problem als vielmehr das zeitige
Zurückfliegen aus dem Lee. Wegen der klaren Luft, der guten Sicht und des starken Gegenwindes
verschätzten sich unsere Piloten ein ums andere mal. Gut eine Minute länger als gewohnt
dauerte dieser Vorgang.

Eröffnung und Nullrunde

Der Tag der Eröffnung beginnt mit der offiziellen Abnahme der Modelle. Rumpf-Nasenradius,
Größe des Hochstarthakens und Beschriftungen wurden vom Veranstalter beim sogenannten
Processing nachgemessen und auf Korrektheit geprüft. Am Nachmittag folgte dann die
sogenannte Nullrunde. Ein kompletter, inoffizieller Durchgang wie in Runde 1, um sowohl Piloten
und Helfer als auch die Organisation für einen reibungslosen Ablauf fit zu machen. Unser
Youngster Tobias war es, der gleich einmal mit seinem H.K.M. Sharon Pro 3.7 die amerikanischen
Mitfavoriten schockierte: 9:56 Minuten Flugzeit und eine 100er Landung waren nicht nur
phänomenal sondern auch die absolut beste Wertung in dem Wettbewerb bis zum Finaltag.

Der Montag wurde mit der offiziellen Begrüßung der Teilnehmer abgeschlossen. Die 81 Senior-
und 32 Juniorpiloten aus 27 Ländern marschierten mitsamt ihren Helfern unter den Klängen einer
Musikkapelle auf dem Gelände ein. Ein farbenprächtiges Schauspiel.

Die Vorrunden

Am Dienstag wurden dann endlich die beiden ersten offiziellen Durchgänge für Erwachsenen und
Jugendlichen ausgeflogen. Die Planung sah vor, 9 Durchgänge bei den Erwachsenen und 7
Durchgänge bei den Jugendlichen abwechselnd auszufliegen. Im Gegensatz zu den
vorangegangenen Trainingstagen war die Thermik aufgrund der heißen Temperaturen bis 40°C
spärlicher geworden und schwieriger zu zentrieren. Nachdem unsere Seniorpiloten einige Federn
lassen mussten, machten es die Junioren besser. Alle drei konnten sehr hoch punkten und führten
gleich die Teamwertung vor den USA an. Die weiteren Vorrunden wurden geprägt von immer
selektiverem Wetter, wechselnden Winden und sehr heißen Temperaturen. Von den zwei auf dem
Platz aufgestellten Duschen wurde rege Gebrauch gemacht. Am Mittwoch wurden 48°C im
Schatten gemessen!

Bei diesen Bedingungen wurden die Wertungen bei den Erwachsenen und Jugendlichen gehörig
durcheinander gewirbelt. In der Erwachsenenwertung dominierte der noch amtierende
Weltmeister Joe Wurts, USA. Er und der zweite der Vorrunde, Jan Kohout aus Tschechien,
leisteten sich keine größeren Schnitzer. Auch Dieter Köhler aus Hamburg punktete
kontinuierlich und kam wie Stefan Eder ins Finale der besten Fünfzehn. Die nach der Vorrunde
feststehende Teamwertung konnte die USA für sich entscheiden. Die deutsche Mannschaft errang
mit viel Kampfgeist Silber vor Tschechien.

Bei den Jugendlichen flog Tobias Lämmlein präzise wie ein Uhrwerk einen 1000er nach dem
anderen. Der gleichaltrige Paul Griebenow aus USA war ihm einige Runden lang dicht auf den
Fersen. Im direkten Vergleich jedoch konnte sich Tobias gegen Paul durchsetzen und stand eine
Runde vor Schluss uneinholbar als Sieger der Vorrunde fest. Auch die beiden anderen deutschen
Junioren flogen ganz vorn mit und wurden zusammen mit Tobias in der Teamwertung
Weltmeister vor USA und Slowakien.

Das Fly-Off

Es wurde Freitag, 16.30 Uhr, bis die Senioren ihren ersten Finaldurchgang der besten 15
antreten konnten. Der Favorit Joe Wurts am Startplatz eins, von allen Zuschauern am besten zu
beobachten, leistete sich seinen ersten groben Schnitzer: Viel zu früh aus dem Seil gefallen
erlitt er beim Nachstart einen Seilriss und hatte so keine Chancen mehr. Stefan Eder entschied
sich für die falsche Platzseite und musste ebenfalls frühzeitig landen und fand nach dem
Nachstart keinen Anschluss. Die restlichen Favoriten mit Dieter Köhler konnten dagegen gut
punkten. In den weiteren drei Durchgängen schob sich dann der Tscheche und mehrmalige
Europacupgewinner Jan Kohout immer weiter nach vorn und wurde verdient Weltmeister vor
Dieter Köhler und Arend Borst aus Kanada.

Im ersten Finaldurchgang der zehn besten Junioren fand Tobias als einziger den richtigen
Einstieg in den Aufwind und konnte wie ein Adler aus Sichtgrenze souverän das Geschehen von
oben betrachten. Der erste 1000er ging wieder an ihn. Im zweiten Durchgang klappte es für ihn
zum ersten mal im ganzen Wettbewerb nicht mehr so glücklich. Lubomir Nemecek aus Slowakien
und Eiko Hasemann spielten ihre Erfahrung voll aus und machten den Sack zu. In der mit Spannung
erwarteten Endwertung wurde Eiko schließlich erster mit nur drei Punkten Vorsprung vor
seinem Teamkameraden Tobias, der sich über seinen zweiten Platz genauso freuen konnte.

Die WM fand in freundschaftlicher und, wie im F3J Bereich üblich, fast in familiärer Atmosphäre
statt. Beim abendlichen Feiern fanden sich nicht nur unser Team sondern auch die Amerikaner,
Franzosen und Finnen mit Kleidern im Swimmingpool wieder. Die F3J WM auf Korfu stand unter
einem guten Stern und bleibt allen Teilnehmern in bester Erinnerung.

© Stephan Lämmlein 07/2000



Das siegreiche deutsche Juniorenteam mit Eiko Hasemann aus Hamburg
(links), Tobias Lämmlein aus Markdorf (mitte), Kai Thomas aus Baiersdorf
(rechts)


Siegerehrung Junioren mit dem neuen Weltmeister Eiko Hasemann aus
Hamburg, Vizeweltmeister Tobias Lämmlein aus Markdorf (links) und
Lubomir Nemecek aus Slowakien (rechts)


Paul Griebenow (USA) und Tobias Lämmlein lieferten
sich in der Vorrunde an der Spitze einen spannenden Zweikampf


Die farbenfrohe Eröffnungszeremonie mit 27 Mannschaften.


Modellabnahme von Tobias H.K.M. Sharon 3.4 beim Processing.


Die deutschen Piloten. Vorn (vlnr): Tobias Lämmlein, Kai Thomas, Eiko
Hasemann. Hinten (vlnr): Dieter Köhler, Philip Kolb, Stefan Eder.


Die Gesichter verraten es: Tobias (links) hat mit seinem Coach Philip
Kolb (ganz rechts) wieder zugeschlagen. Seine Schlepper Reinhard Vallant
und Thomas Schütz (mitte) freuen sich mit ihm.



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