1. Bericht aus dem Oman (6. März 2005)

 
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Muscat, 6.3.200
Liebe Freunde daheim,

leider habe ich nicht alle von Ihnen/euch im Voraus informieren können, aber in der Tat bin ich schon wieder auf einer Expedition mit Modellflugzeugen unterwegs.

Gleich im Anschluss an die Bolivien-Reise bekam ich eine Einladung des Fachbereichs Agrarwissenschaften der Uni Kassel zur fotografischen Kartierung von Oasen im Wüstengebirge südlich von Muscat, der Hauptstadt des Omans. Professor Andreas Bürkert hat als Organisator ein Team hochkarätiger Agrologen, Tierkundler und Archäologen zusammengestellt, die sich als gemeinsame Aufgabe die Erforschung der traditionellen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten gestellt hat.

Partner vor Ort ist die Sultan Qaboos University, auf deren riesigen, parkartigen Campus (schätzungsweise 10 km_) wir im Gästehaus unsere zentrale Bleibe gefunden haben.

Während des letzten Jahres habe ich auf der Basis unseres Himalaya-Fliegers "Kali" den "Horus" entwickelt, der mit einer hochauflösenden Digitalkamera (Olympus C-5050) ausgestattet ist. Arbeitshöhe für die Fotografie ist maximal 1000 m über Grund, was in den meisten Fällen auch ohne die Zeiss-Fernglasbrille zu schaffen sein dürfte. Copiloten habe ich diesmal leider nicht dabei. Auch die Dauer der Reise ist mit 14 Tagen recht knapp bemessen. Zu befliegen gibt es in dieser Zeit etwa ein Dutzend Objekte.

Wie gewohnt waren die hiesigen Behörden wieder mit dem Thema Modellflug und Luftaufnahmen mangels einschlägiger Regelungen etwas überfordert. Zwar hatten wir beim Schirmherr unseres Unternehmens, dem Minister für Geschichte und kulturelles Erbe, unsere Befliegungen angemeldet und alles Material korrekt dem Zoll vorgeführt. Nur schien sich der Polizeipräsident übergangen gefühlt zu haben, und legte erst einmal sein Veto ein. Da aber im arabischen Raum über Beziehungen alles möglich ist, werden wir die Fluggenehmigung sicherlich in den nächsten Stunden oder Tagen erhalten, notfalls per Handy am Einsatzort.

Heute, Mittwoch, kann ich also noch nicht vom Fliegen im Oman berichten. Dafür aber umso mehr von den Fluten im Oman. Von Sonntag bis Dienstag gab es hier und vor allem in den Bergen zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder richtig Regen. Dieser kam dann mit einer von mit nie erlebten Heftigkeit. Binnen Minuten sahen wir, wie das karge Land knöcheltief unter Wasser stand. Eine trügerische Regenpause am Montag Morgen veranlasste uns, zu einer Erkundungstour für Fluggelände in die Berge und die dahinter liegende Wüste aufzubrechen.
Mittags überraschten uns erneut die Gewitter. Wir erreichten noch das Tal unseres letzten Zielortes, wo die Straße bereits in einen reißenden Bach verwandelt hatte, dann ging aber nichts mehr. Unser Toyota – eigentlich der Maßstab für Zuverlässigkeit im schweren Gelände – verweigerte nach eine Fahrt durch halbmetertiefes Wasser seinen Dienst. Zum Glück in einem kleinen Dorf, wo die Bewohner uns mit ihrer überwältigenden Gastfreundschaft empfingen.

Leider war das Verständnis der Automobiltechnik ähnlich begrenzt wie in Bolivien. Aber nach und nach kam Werkzeug herbei. Und wir schraubten gemeinsam an dem 4,5 Liter Sechszylinder herum. Kurz vor dem Dunkelwerden sprang er dann auch wieder an, und wir waren frohen Mutes, am nächsten Morgen unsere Fahrt fortsetzen zu können.
Uns wurden Kaffee und Dattel gereicht und ein Quartier in einem Privathaus angeboten. Leider war der Gastraum zugleich auch das Fernsehzimmer der einladenden Familie, so dass wir noch ein halbstündiges Zappen am Satellitenempfänger über uns ergehen lassen mussten.

Nachts dann wieder heftigster Regen. Kein Entkommen. Auto sprang wieder nicht an. Also warten. Neues Auto mit Fahrer besorgt. Bei fallendem Wasser losgefahren. An einer Furt ging nichts mehr. Andere versuchten die Durchfahrt erfolglos, siehe Fotos. Unser Fahrer suchte nach alternativen Passagen und fuhr sich schließlich im Treibsand fest. Mit Vollgas auf allen vier Rädern versenkte er den Wagen binnen Sekunden bis zur Bodenplatte. Das Wasser stieg noch weiter. Fahrer verschwindet und kommt mit einem zweiten Auto zurück. Es folgt ein Reißtest an diversen Perlonseilen, ohne dass sich unser Auto auch nur einen Zentimeter bewegt.
Fahrer verschwindet wieder und kommt mit drittem Auto. Mit ihm steigen zwei Beduinen aus, die mit viel Sachverstand beide Autos heraus bekommen. Weiterfahrt kritisch, da wir das besagte Wadi noch immer nicht überquert hatten. Dies gelang uns dann in einer Furt auf gut ausgebauter Straße. Leider musste unser Fahrer bei tischhohem Wasser und Gegenverkehr noch seinen Vordermann überholen. Mit viel Glück wurden wir nicht von der Straße gerissen.

Noch kurz zum Fliegen: Wir haben heute etwa das halbe Programm hinter uns. 8 Flüge, 6 davon mit Landenetz. Aber hiervon später mehr.
Internet ist recht spärlich hier, ich hoffe aber, noch einmal ranzukommen.

Bis dann herzliche Grüße,

Wolfgang

 


 

Photos :





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 MFG-Markdorf, 7.3.05