2. Bericht aus dem Oman (9. März 2005)

 
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Jabel Akhdar, 9.3.2005

Liebe Freunde daheim,

heute melde ich mich vom Jabel Akdar, dem höchsten Bergmassiv Omans. Wir haben hier auf 2000 m eine Wohnung gemietet, von der aus wir unsere diversen Standpunkte anfahren. Etwas weiter westlich steigt das Gebirge noch auf gut 3000 m an.

Nach dem großen Regen genießen wir die Sonne und Wärme, um unseren Arbeiten nachzugehen. Ein Thema hier auf dem Jabel Akhdar ist die Erforschung des Futterverhaltens von Ziegen. Hierzu bekommen sie einen GPS-Logger umgebunden mit denen die Wissenschaftler die spärlichen Weidegründe identifizieren können, auf denen sich die Tiere tagsüber ernähren.

Nachdem wir lange um die Flugerlaubnis auf dem Jabel Akhdar gekämpft haben, kam gestern das endgültige Nein aus Muscat. Natürlich war alles vor sechs Wochen genauestens beantragt. Unser Vorhaben stellt jedoch einen absoluten Präzedenzfall im Oman dar, für den es natürlich keine Regularien gibt. Das Ministerium für Kultur und historisches Erbe, unter dessen Patronat unser multidisziplinäres Programm steht, fragte bei der National Surveillance Agency an. Kein Problem aus deren Sicht. Vom Vetoversuch des Polizeipräsidenten hatte ich schon berichtet. Dann sollte auch noch die Civil Aviation Authority befragt werden. Hierzu wurden wir vom Jabel Akhdar herunter nach Muscat zitiert, um einen der Flieger vorzuführen. Vor Ort (nach 2 Stunden Fahrt) dann viel Verständnis für unsere Fliegerei. Wie hoch wir denn flögen. Mit etwas Understatement gaben wir 500 bis 700 m an, was anscheinend zuviel war. Also wurde ein Kollege von der Air Traffic Control aus dem Tower herunter gebeten. Muscat Approach würde von unseren Flügen zwar nicht tangiert, aber es könnte ja sein, dass die Militärs gelegentlich mal in geringer Höhe über den Jabel Akhdar düsen, und sei es nur mit ihrem Hubschrauber. An allen anderen Orten dürften wir ab sofort ungeniert fliegen. In Sachen Jabel Akhdar wäre aber unbedingt noch das Militär zu konsultieren, weil es auf diesem strategisch wichtigen Ort einen Übungsplatz unterhält. Inzwischen war es 14 Uhr, Feierabend in allen Dienststellen. Weiteres sei erst am nächsten Tag per Telefon zu klären, wozu uns die freundlichen Herren vom Flughafen ihre Unterstützung anboten. Also machten wir uns wieder auf den zweistündigen Weg zu unserem Bergquartier. Unser Modellflugzeug hatte schließlich niemand sehen wollen.

Fliegerischer Höhepunkt war gestern Nizwa, die viertgrößte Stadt im Lande. Unsere Archäologen hatten Interesse an einem Ausgrabungsfeld. Die Städtebauer wollten die Altstadtquartiere abgelichtet haben. Obwohl Nizwa auch eine Dattelpalmen-Oase ist, hat die Verstädterung das Interesse der Agrologen an diesem Objekt inzwischen schrumpfen lassen. Gestartet wurden die beiden Flüge einmal von einem kleinen unbestellten Feld und später dann vom überdimensionierten Touristenparkplatz mitten in der Stadt. Beide Flüge (der erste ging mit Thermikunterstützung bis auf 1600 m) brachten die bisher besten Luftaufnahmen. Die Wissenschaftler waren begeistert.

Natürlich ist dies alles kein Ersatz für die Flüge auf dem Jabel Akhdar, auf die wir nun verzichten müssen. Hier oben befinden sich gewaltige Terrassenanlagen, die größtenteils noch bewirtschaftet werden, wegen des Wohlstands im Lande jedoch vom Aussterben bedroht sind. Zu mühsam ist die Bestellung dieser kleinen Parzellen (oft nur wenige Quadratmeter), die sich in extremer Hanglage über viele 100 Höhenmeter erstrecken. Unsere Agrologen haben höchstes Interesse an der Kartierung dieser Zellen, um die traditionellen Anbau- und Ernährungsgewohnheiten der Bergbevölkerung zu erforschen, bevor es zu spät ist. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch noch: Es ist im Gespräch, diese Terrassenanlagen dem Kulturerbe der UNESCO zu unterstellen. Geld für den Erhalt dürfte im reichen Oman kein Problem sein.

Also fliegen wir im Flachland weiter und behalten noch ein paar Tage unser kühles Quartier auf dem Berg. Ach ja, unser Auto fährt momentan wieder tadellos, nach x Werkstattbesuchen. Wasser im Verteiler, in der Zündspule, Schmutz im Tank, ein gerissener Draht usw. waren die diversen Erklärungen. 

Ich hoffe, noch einmal berichten zu können, und grüße Sie/euch alle ganz herzlich.

Wolfgang Schäper


 

Photos :


Nizwa, ca 150 km westlich von Muscat, rechts das alte Fort


Der Landeplatz auf dem Parkplatz in Nizwa






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 MFG-Markdorf, 13.3.05