3. Bericht aus dem Oman (11. März 2005)

 
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Muscat, 11.3.2005

Liebe Freunde,

diesen Brief fange ich zwar noch im Oman an, werde ihn aber garantiert zuhause fertig stellen müssen. Zu schnell vergingen die zwei Wochen hier, und zu voll war unser Programm.

Nachdem der große Regen abgeklungen ist und wir unser Bergquartier auf dem Jabel Akhdar in Richtung Wüste verlassen haben, sind die Temperaturen auf reichlich 30 Grad angestiegen. Da nun auch die Klimaanlage in unserem Toyota Land Cruiser ausgefallen ist, müssen wir richtig schwitzen.

Auch die Übernachtung im Zelt brachte inmitten der Wüste nicht die gewünschte Abkühlung. Dafür aber einen einmaligen Sternenhimmel und einen stimmungsvollen Sonnenaufgang am nächsten Morgen.
Unser Weg führte uns gestern über schnurgerade, bestens ausgebaute Straßen zur Wahaybah-Wüste, an dessen Rand die wunderschöne, noch bestens intakte Dattelpalmen-Oase Al Hawiyah liegt. Abgesehen von den Strommasten und Autos scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein riesiger Wald aus Palmen zieht sich von der Ebene in Richtung Sanddünen. Daneben das lang gestreckte Dorf mit kleinsten landwirtschaftlich genutzten Parzellen. Frisches Grün steht im krassen Farbkontrast zum rötlichen Sand.
Es ist Freitag, und niemand ist bei der Arbeit, so wie bei uns am Sonntag. Am Fuß einer ca. 40 m hohen Düne bauen wir unseren Fotoflieger zusammen. Natürlich bleiben wir nicht lange unentdeckt, und sind bald von einem Dutzend staunender und fragender Kinder umringt.

Der Aufstieg mit dem gut drei Kilo schweren Modell ist in dem steilen, rutschigen Sand nicht einfach. Der Start vom höchsten Punkt klappt hervorragend. Es ist unser zwölfter Fotoflug, und jeder Handgriff ist inzwischen zur Routine geworden. Wieder geht es auf 1200 m hoch, um zunächst die ganze Oase aufs Bild zu bekommen. Später werden aus geringere Höhe Details aufgenommen. Andreas Bürkert von der Uni Kassel gibt mir als Piloten die Richtung vor und bedient den Fernauslöser für die Digitalkamera an Bord. Zwischen 250 und 300 Bilder machen wir pro Flug. Dank der Digitaltechnik brauchen wir uns hierbei kaum einzuschränken. Trotzdem war die Speicherkapazität der Kamera von einem Gigabyte gelegentlich zu wenig, so dass die letzten Fotos eines Fluges nicht mehr abgespeichert werden konnten.

Die Rückfahrt nach Muscat verlief entlang der Küstenlinie südöstlich der Hauptstadt, wo wir bei Tiwi nochmals flogen. Hier ergießt sich ein Wadi (temporärer Flusslauf) direkt ins Meer, umgeben – wie immer – von dichtstehenden Dattelpalmen.

Ein paar Kilometer weiter gab es dann doch noch die wohlverdiente Erfrischung: ein weißer Sandstrand, umgeben von bizarren Felsen, türkises Wasser unter tiefblauem Himmel. Nur ein gutes Dutzend Badehungrige teilten sich die 500 m Küstenlinie. Ein herrliches Schwimmen!

Dem Stadtzentrum von Muscat leisteten wir auch noch einen kurzen Besuch ab. Da es ca. 50 km entfernt von unsere Bleibe an der Universität liegt, hatten wir noch keine Gelegenheit gehabt, den Hafen und den Souk (Markt) aufzusuchen. Muscat ist eine blitzsaubere, moderne Stadt mit großzügig angelegten Straßen. Nur das Zentrum am Hafen weist noch den Charme aus der alten Kolonialzeit unter portugiesischer Regentschaft auf. Der Souk war schließlich die willkommene Gelegenheit für den Einkauf einiger Souvenirs.

Zwei äußerst ereignisreiche Wochen waren zu Ende gegangen. 2500 Luftaufnahmen waren im Kasten, oder besser gesagt, auf diversen Festplatten gesichert. Ich durfte am Wochenende meinen Rückflug nach Frankfurt antreten. Die Wissenschaftler bleiben noch eine Weile vor Ort, um ihre Untersuchungen an Pflanzen und Tieren fortzusetzen. Vom Erlebniswert konnte sich diese Reise ohne Abstriche mit den Expeditionen nach Nepal und Bolivien messen, trotz der kurzen Dauer. Es kam halt alles viel gedrängter als bisher.

Abschließend noch einige Informationen zum Oman: Mit 2,3 Millionen Einwohner auf einer Fläche, die etwa der von Deutschland entspricht, ist das Land extrem dünn besiedelt. Ein Viertel der Bevölkerung sind Gastarbeiter, überwiegend aus Pakistan, die im Haus- und Straßenbau, aber auch im Handel und Handwerk tätig sind. Sie haben einen großen Anteil an der Schaffung der ausgesprochen guten Infrastruktur, finanziert aus den Einnahmen der Öl- und Gaskonzessionen. Mit Ausnahme der Küste östlich von Muscat sind alle Orte auf nagelneuen, breiten Straßen schnellstens zu erreichen. Handies funktionieren selbst in den entlegensten Gegenden. Das Angebot an Lebensmitteln steht dem in Europa in nichts nach. Auch die Hygiene ist exzellent, man kann ungeniert alles essen. Nicht umsonst wird der Oman als die Schweiz Arabiens bezeichnet.

Touristen finden sich im Oman erst seit ganz kurzer Zeit ein. Wie auch in den benachbarten Emiraten wird der Tourismus nun jedoch stark ausgebaut, ein entsprechendes Ministerium wurde vor wenigen Monaten eingerichtet. In sieben Stunden Flugzeit ist man für ca. 500 Euro vor Ort. Alle weiteren Ausgaben, insbesondere fürs Essen sind wegen der an den Dollar gekoppelten Landeswährung sehr günstig. Für Fahrten ins Gebirge und in die Wüste sollte man auf jeden Fall ein Allrad-Fahrzeug anmieten, um seinen Aktionsradius nicht unnötig einzuschränken. Die beste Reisezeit ist November bis März. Im Sommer steigen die Temperaturen gegen 50 Grad, und es wird an der Küste wie im Binnenland unerträglich.

Wer also die Ursprünglichkeit dieses Landen, verbunden mit einer grenzenlosen Gastfreundschaft der Bevölkerung und einer noch nicht existierenden Kriminalität kennen lernen möchte, der sollte sich bald auf den Weg in den Oman machen. Wer zu spät kommt, dem droht in ein paar Jahren höchstwahrscheinlich das touristische Allerlei.

Dies war’s, was ich Ihnen/euch von meiner Reise zu berichten habe. Vielleicht ergibt sich ja noch die eine oder andere Gelegenheit für einen weitere Plausch. Natürlich wartet auch noch eine große Anzahl an Bildern darauf gezeigt zu werden.

Zuletzt möchte ich auch allen Mitstreitern danken, die sich tatkräftig an der Vorbereitung der Expedition, insbesondere der Beschaffung und der Fertigung des fliegenden Materials beteiligt haben. Es hat sich gelohnt, und es war sicherlich nicht der letzte Einsatz des Fotofliegers Horus im Auftrag der Wissenschaft.

Ganz herzliche Grüße,
Wolfgang Schäper





 

Photos 



Bild 1:     Erstmals seit sechs Jahren führt dieses Gebirgs-Wadi wieder Wasser



Bild 2:     Harmloses Restwasser nach dem großen Regen kann mit viel Tempo durchfahren werden



Bild 3:    Start von der Düne in Al Hawiyah



Bild 4:    Die Dattelpalmen-Oase Al Hawiyah aus 1000 m Höhe. Unser Startplatz lag auf der Düne in der oberen Bildmitte



Bild 5:    Auf der Düne von Al Hawiyah



Bild 6:    Die Kinder von Al Hawiyah waren begeistert vom Fliegen und versuchten es dem Horus mit Luftballons gleich zu tun



Bild 7:    In Tiwi erstreckt sich das Palmen besäumte Wadi bis zum Indischen Ozean



Bild 8:    Menschenleerer Traumstrand nördlich von Tiwi



Bild 9:    Häuserfront im Kolonialstil am Hafen von Muscat. Man beachte die blitzsauberen Autos. Im Oman gibt’s Knöllchen für dreckige Vehikel. Wir waren mit unserem Land Cruiser in höchster Gefahr nach der Rückkehr aus der Wüste.

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 MFG-Markdorf, 16.3.05