Oman im November 2005

Liebe Freunde in der Heimat,

da ich es inzwischen erst gar nicht mehr versuche, eine bebilderte Mail aus einem omanischen Internet-Café abzuschicken, werden euch diese Zeilen erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland erreichen.

Ja, ich bin schon wieder im Oman, zum zweiten Mal in diesem Jahr, und wieder mit den Wissenschaftlern des Fachbereichs Ökologischer Landbau der Uni Kassel. Im März war noch eine Rechnung offen geblieben: wir hatten die Befliegungserlaubnis für die Objekte auf dem Jabel Akhdar nicht bekommen. Im Laufe des Sommers hat sich dieses Problem dann klären lassen, und so habe ich mich noch einmal für vier Tage zum Fliegen zur Verfügung gestellt. Die restlichen 10 Tage bin ich dann mit Catherine per Geländewagen und Airline durchs Land gereist, für uns eine willkommene Gelegenheit, das Wärmedefizit des heimischen Sommers gründlich auszugleichen. Abgesehen von Berg erreichte das Thermometer jeden Tag noch 32 bis 38 Grad.

Nach 9 Reisestunden erreichten wir am 23. Oktober Muscat, um am nächsten Tage gleich auf den Jabel Akhdar zu fahren. Hier oben auf knapp 2000 m wird noch im uralten Stil Landwirtschaft betrieben. Getreide und Obst werden überwiegend auf abenteuerlich angelegten Terrassenanlagen an steilen Hängen angebaut und mit dem spärlich vorhandenen Wasser sorgsam versorgt. Alles noch wie vor Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden. Den Wissenschaftlern bietet sich hier ein Blick zurück in traditionelle und weitgehend autarke Ökosysteme. Bedroht werden diese Anlagen durch den mit dem Ölexport ins Land gezogenen Wohlstand: Die Bewohner haben es kaum noch nötig, kleinste Parzellen von oft nur fünf Quadratmetern aufwändig zu bearbeiten.

Meine Aufgabe war es wieder, die Ökosysteme per Luftbild zu kartieren, zum einen für die wissenschaftlichen Analysen der Systeme, zum anderen aber auch als Bestandsaufnahme des momentanen Zustands, der vom Verfall aufs Höchste bedroht ist.

Gleich am ersten Nachmittag wurde mein Fotoflieger „Horus“ aufgebaut und auf knapp 1000 m über dem Dorf Al Aqr geschickt. Wegen des tiefen Sonnenstandes und der höheren Luftfeuchtigkeit waren die Sichtbedingungen nicht so gut wie im März. Trotzdem waren 1000 m und mehr kein Problem. Unser letzter Flug ging sogar auf mehr als 1400 m.

Im Schnitt dauerte ein Flug eine halbe Stunde. Während ich steuerte, hatte Projektleiter Professor Andreas Bürkert keine Probleme hatte, die 1-GB-Speicherkarte unserer Bordkamera mit reichlich 300 Fotos zum Überlaufen zu bringen. Die Qualität der Bilder fiel besser aus als im März, da wir die Kamera mit der Zeit immer besser in den Griff bekamen.

Mit ca. vier Flügen pro Tag und zwischenzeitlichem Ortswechsel hatte wir reichlich zu tun. Die Starts von Klippen oder Gebirgsstraßen waren ein leichtes Spiel. Die Landungen waren dagegen hin und wieder schon einen Herausforderung. Das Landenetz blieb diesmal in der Kiste. Wir fanden überall verkehrsarme Straßen, entweder eben und breit (Anflug wie ein Airliner und Aufsetzen auf der Mittenmarkierung) oder gewunden und steil (mit Rückenwind über die Leitplanke reinhuschen, den Stromleitungen und Lichtmasten ausweichen und im richtigen Augenblick die Fahrt herausnehmen). Den Rumpf hatte ich auf seiner Unterseite mit EPP gepolstert, so dass die wertvolle Kamera vor Schäden bewahrt wurde. Auch sonst ging absolut nichts kaputt. Die beiden Reserveflieger müssen weiter auf ihren Einsatz warten.

Das gesamte Material wie Fernsteuerung (Robbe FC-28), Antriebe (Hacker), Akkus (GP Batteries), Kreisel (Ikarus), Ladetechnik (Simprop) und nicht zuletzt die von Horst Müller liebevoll gebauten Flieger hat die ganze Zeit fehlerfrei funktioniert.

Insgesamt 13 Flüge standen am Donnerstag Mittag im Flugbuch. Knapp 3000 Fotos warteten aufs Sortieren und Auswerten. Ein zweiköpfiges Team aus Kassel ist noch bis Dezember auf dem Jabel Akhdar, um die besten Aufnahmen per GPS zu georeferenzieren und kartografisch auszuwerten.

Nach verrichteter Arbeit trennten Catherine und ich uns von den Wissenschaftlern. Wir kehrten nach Muscat zurück und fassten einen Toyota Land Cruiser aus, der uns während der folgenden sieben Tagen zuverlässig über die Gebirgspisten brachte. Wir konzentrierten uns zunächst auf das Hadjar-Gebirge im Norden Omans. Am Fuß des Gebirges zeugen gut restaurierte Forts von ehemaligen Streitigkeiten zwischen Küsten- und Wüstenbewohnern. Den Zugang zu den Bergen findet man durch traumhaft schöne Wadi-Täler, die diesmal allerdings kaum noch Wasser führten. Grüne Oasen und karge Hochplateaus luden immer wieder zum Verweilen ein. Auch der Wahiba-Sandwüste haben wir einen kurzen Besuch abgestattet.

Auch einige der im März beflogenen Orte konnte ich wieder aufsuchen. Die Bewohner, insbesondere die Kinder konnten sich noch gut an meinen bunten Flieger erinnern. Freude kam auf, als die Kinder sich als damals aufgenommenen Bildern wiedersahen.

Unterkunft fanden wir in der Regel in den spärlich gesäten Hotels. Neuere Häuser wiesen dabei einen sehr guten Standard auf bei sehr moderaten Preisen. Da der Oman sich für einen massiven Ausbau des Tourismus entschieden hat, wird sich die Hotelversorgung bald entschieden ändern. Wir befürchten jedoch, dass damit auch ein Teile der Originalität des Landes verloren geht.

Was wir sonst noch zu sehen bekamen: das nächtliche Schlüpfen von Meeresschildkröten, die beeindruckenden Turmgräber auf den menschenleeren Hochplateau von Ibra, Kamelherden in der Wüste, beeindruckende Landschaften und immer wieder freundliche Leute. Wir wurden gefragt, woher wir kämen, und wie es uns im Oman gefiel. Die Omanis sind mit Recht stolz auf ihr Land und auf die allerorts präsente Kultur.

Nach einer Woche flogen wir mit Oman Air für drei Tage nach Salalah, ganz im Süden des Landes. Norden und Süden werden durch 1000 km Wüste getrennt. Entsprechend gering sind die Gemeinsamkeiten. Der arabische Einfluss ist in Salalah deutliche geringer. Die Bevölkerung setzt sich hier zu etwa gleichen teilen aus Arabern, Ostafrikanern (Sansibar), den „Jebalis“ aus den Bergen und indischen Händlern und Gastarbeitern zusammen. Die tiefblauen Fluten des Indischen Ozeans luden hier besonders zum Baden ein, wenn auch die Erfrischung bei 28 Grad im Wasser und 32 Grad Lufttemperatur zu wünschen übrig ließ.

Zurück in Muscat verblieben und gerade 24 Stunden für einen Besuch in der Hauptstadt. Vor den Toren der Stadt ist vor drei Jahren die Sultan Qaboos Grand Moschee fertig geworden, ein Monumentalwerk moderner Baukunst, das einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet haben soll. Die kleine Altstadt von Muskat musste nahezu komplett neuen Regierungsgebäuden weichen. Im Augenblick ist ganz Muscat Baustelle, denn der Sultan braucht’s wieder einmal eine Nummer repräsentativer. Vielleicht sieht’s in zwei Jahren ja wirklich gut aus.

Nach gut zwei Wochen war unsere Erholung perfekt. Viel gesehen, eine völlig andere Welt erlebt, die Abwesenheit von Stress, was will man mehr?

Zurück in Frankfurt dann der Temperaturschock (30 Grad weniger) und der erste Weihnachtsbaum! So schnell waren wir noch nie vom Hochsommer in die Tiefen unseres Winter eingetaucht.

Viele Grüßen von

Catherine und Wolfgang



Im Folgenden lassen wir die Bilder sprechen, die Catherine aufgenommen hat. (Ich habe diesmal Dias gemacht.)

Luftaufnahme von Al Ayn mit seiner weitläufigen Terrassenanlage


Al Ayn aus der horizontalen Perspektive

Horus wird bei Shuraijah gestartet


Landung auf einer steilen Gebirgsstraße

Landeanflug in Saiq

Dieser junge Mann fand auch Interesse am Horus


Typische Gebirgsoase (Masirat, keine Luftaufnahme)

In Höhen über 500 m musste ich den Horus wie gewohnt mit der Fernglasbrille verfolgen

Dieses Dorf war noch bewohnt, im Tal ein intaktes Ökosystem!

Start von einer Gebirgspiste (auf der ich auch gelandet bin)


Fahrt ins Wadi Awf


Balad Seet im Abendlicht


Kameltransport

Wüste bei Al Hawiyah


Im Wadi Bani Khalid


Im Fort Bani Bu Hassan


Fischerboote bei Al Ruways


Dhaus am Raz Al Hadd

In einsamen Höhen

Turmgräber auf dem Hochplateau bei Ibra


Rinderherde bei Salalah

Weihrauchbaum bei Salalah


süd-omanische Straßensperre


Hier werden omanische Süßigkeiten verkauft

Lehmhaus in Mirbat

Fenster in Mirbat

Im Fischerhafen von Mirbat


Im original omanischen Restaurant

Die Flut drückt das Wasser durch die Felsen (bei Al Mughsayl)


Die monumentale Sultan Qaboos Moschee bei Muscat